Du weißt, dass eine faire finanzielle Aufteilung wichtig ist. Du möchtest das Thema ansprechen, aber dein Partner:in reagiert ablehnend oder blockt ab. Das ist frustrierend und belastend. Dieser Beitrag gibt dir Strategien, um das Gespräch zu beginnen – auch wenn dein Partner:in zunächst skeptisch ist.
Viele Menschen haben feste Vorstellungen über Geld, Rollenverteilung und "was sich gehört". Finanzielle Gespräche können als Angriff oder Kritik wirken. Es geht nicht um Schuldzuweisung, sondern um gemeinsame Lösungen.
Der richtige Zeitpunkt
Wähle einen ruhigen Moment, nicht nach einem Streit oder wenn einer gestresst ist. Besser: "Können wir am Wochenende in Ruhe über unsere finanzielle Planung sprechen?" statt "Wir müssen jetzt über Geld reden." Ein guter Zeitpunkt kann auch sein, wenn ihr beide entspannt seid und Zeit habt, ohne dass andere Themen dazwischenkommen.
Gemeinsame Ziele betonen
Starte nicht mit "Du musst mir Geld geben", sondern mit gemeinsamen Zielen: "Ich möchte, dass wir beide langfristig finanziell abgesichert sind" oder "Ich möchte, dass wir beide die Zeit mit unserem Kind genießen können, ohne dass einer von uns später Nachteile hat." Formuliere es so, dass klar wird: Es geht um euch beide, nicht um einen einzelnen. Vielleicht hilft es auch, zu betonen, dass du dir Sorgen machst – nicht um dich selbst, sondern um eure gemeinsame Zukunft.
Zahlen statt Emotionen
Emotionale Argumente können als Angriff wirken. Nutze konkrete Zahlen: "Ich habe ausgerechnet, dass ich durch die Elternzeit X Euro an Rentenpunkten verliere. Das entspricht Y Euro pro Monat im Alter." Zahlen sind neutraler und zeigen, dass es nicht um Gefühle, sondern um Fakten geht. Wenn du mit konkreten Berechnungen kommst, wird das Gespräch sachlicher. Dein Partner:in kann die Zahlen sehen, nachvollziehen und selbst überprüfen. Das nimmt dem Gespräch die emotionale Ladung und macht es zu einer gemeinsamen Analyse statt zu einer Konfrontation.
Hilfreiche Tools für das Gespräch
Wenn du mit konkreten Zahlen ins Gespräch gehen möchtest, können dir unsere Rechner helfen. Der Rentenausgleichrechner zeigt euch beide, welche langfristigen finanziellen Auswirkungen eure Entscheidungen haben – ganz neutral und sachlich. Der Gehaltsausgleichrechner hilft euch dabei, die aktuelle finanzielle Situation fair zu bewerten. Beide Rechner könnt ihr gemeinsam durchgehen, ohne dass einer von euch das Gefühl hat, überzeugt werden zu müssen. Die Zahlen sprechen für sich.
Die "Was-wenn"-Frage
Manche Menschen reagieren besser auf hypothetische Szenarien: "Was wäre, wenn wir uns in 20 Jahren trennen? Wie würdest du dich fühlen, wenn ich dann keine eigene Rente hätte?" Das kann die Perspektive öffnen, ohne direkt zu konfrontieren. Diese Frage zwingt niemanden, sich sofort zu positionieren, sondern lädt zum Nachdenken ein. Oft hilft es auch, die Situation umzudrehen: "Wie würde es dir gehen, wenn du in meiner Situation wärst?"
Externe Autorität nutzen
Manchmal hilft es, wenn es nicht von dir kommt: "Ich habe einen Artikel gelesen, der erklärt, warum viele Paare später Probleme bekommen, wenn die finanzielle Aufteilung nicht geregelt ist. Sollen wir den zusammen anschauen?" Oder: "Ein Rechner zeigt, wie sich unsere Entscheidungen langfristig auswirken. Sollen wir das mal durchrechnen?" Wenn dein Partner:in skeptisch ist, kann es helfen, wenn die Informationen von außen kommen – von Experten, Studien oder neutralen Tools. Das nimmt dir den Druck, alles selbst erklären zu müssen, und gibt euch beiden die Möglichkeit, gemeinsam etwas zu entdecken.
Kleine Schritte statt großer Forderungen
Statt "Wir müssen jetzt alles ändern" besser: "Können wir erstmal nur über die nächsten zwei Jahre sprechen?" Oder: "Lass uns erstmal nur die Zahlen anschauen, ohne gleich eine Entscheidung zu treffen." Ein großes Gespräch über die komplette finanzielle Neuordnung kann überwältigend sein. Wenn du es in kleine, überschaubare Schritte aufteilst, wird es weniger bedrohlich. Vielleicht reicht es erstmal, nur zu verstehen, was die aktuelle Situation ist. Die Entscheidungen können später kommen.
Die Bedürfnisse des Partners:in anerkennen
Zeige Verständnis: "Ich verstehe, dass du vielleicht denkst, dass wir das nicht brauchen" oder "Ich weiß, dass du es gut meinst, wenn du sagst, dass du für uns sorgst. Aber ich möchte auch für mich selbst sorgen können." Anerkennung öffnet oft mehr Türen als Konfrontation. Wenn dein Partner:in das Gefühl hat, dass seine oder ihre Sichtweise respektiert wird, ist die Bereitschaft größer, auch deine Perspektive anzuhören. Es geht nicht darum, jemanden zu überzeugen, sondern darum, gemeinsam zu verstehen, was beide brauchen.
Was tun, wenn es immer noch nicht klappt?
Wenn das Gespräch trotzdem nicht zustande kommt, kann professionelle Unterstützung helfen: Paarberatung oder eine neutrale Finanzberatung. Manchmal hilft es, wenn eine dritte Person die Fakten erklärt. Es ist kein Zeichen von Schwäche, Hilfe zu suchen – im Gegenteil, es zeigt, dass dir die Beziehung wichtig ist und du bereit bist, an schwierigen Themen zu arbeiten.
Mein Fazit
Ein schwieriges Gespräch zu beginnen ist besser, als es zu vermeiden. Mit Geduld, den richtigen Strategien und klaren Zahlen kannst du auch bei skeptischen Partner:innen einen Dialog starten. Es geht nicht darum, jemanden zu überzeugen, sondern gemeinsam eine Lösung zu finden, die für beide passt. Manchmal braucht es mehrere Anläufe, und das ist okay. Wichtig ist, dass du es versuchst und nicht aufgibst.