Fairness-Check: Wie fair sind eure Finanzen wirklich?

Die meisten Paare reden nicht gerne über Geld – schon gar nicht über die Frage, ob ihre Finanzverteilung wirklich fair ist. Dabei zeigt die Praxis: Viele Paare haben eine unausgesprochene Ungleichheit, die sich über Jahre verstärkt. Besonders nach der Geburt von Kindern verschieben sich die finanziellen Verhältnisse oft massiv – und das bleibt meist unausgesprochen.

Dieser Check hilft dir dabei, eure finanzielle Situation ehrlich einzuschätzen. Er deckt vier zentrale Bereiche ab: Transparenz, Entscheidungsmacht, langfristige Fairness und aktuelle Vereinbarungen. Am Ende bekommst du nicht nur eine Einschätzung, sondern auch konkrete Handlungsempfehlungen.

Wichtig

Dieser Check ist keine Diagnose, sondern eine Selbstreflexion. Wenn du dich bei vielen Fragen unsicher fühlst oder das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt, ist das bereits ein wichtiges Signal.

So funktioniert der Check

Beantworte die folgenden 10 Fragen ehrlich. Für jede Frage kannst du 0, 1 oder 2 Punkte erhalten:

  • 0 Punkte = rotes Warnsignal
  • 1 Punkt = gelb, Verbesserungspotenzial
  • 2 Punkte = grün, gut gelöst

Am Ende werden deine Punkte automatisch zusammengezählt und du erhältst eine Einschätzung plus konkrete nächste Schritte.

Tipp

Macht den Check am besten beide Partner:innen separat – dann könnt ihr eure Ergebnisse vergleichen und seht, ob ihr die Situation ähnlich einschätzt.

1 Transparenz & Informationszugang

Kannst du jederzeit Einblick in alle gemeinsamen Konten, Versicherungen und Verträge bekommen?

Warum das wichtig ist: Transparenz ist die Basis für faire Finanzen. Wenn eine Person keinen Einblick hat, kann sie auch nicht mitentscheiden – und wird abhängig.
2 Transparenz & Informationszugang

Kennst du die Passwörter oder Logins für eure gemeinsamen Finanzkonten (Bank, Versicherungen, Verträge)?

Warum das wichtig ist: In der digitalen Welt sind Passwörter der Schlüssel zur finanziellen Selbstständigkeit. Ohne Zugriff kannst du nicht selbstständig handeln.
3 Transparenz & Informationszugang

Wie oft sprecht ihr über eure finanzielle Situation?

Warum das wichtig ist: Regelmäßige Gespräche verhindern, dass sich Ungleichheiten einschleichen. Wer nie über Geld redet, merkt oft erst spät, wenn etwas nicht stimmt.
4 Entscheidungsmacht & Mitsprache

Wer entscheidet bei größeren Ausgaben (z.B. Auto, Urlaub, Möbel über 500€)?

Warum das wichtig ist: Bei großen Ausgaben geht es nicht nur um Geld, sondern um Macht. Wenn eine Person allein entscheidet, hat die andere keine echte Wahlfreiheit.
5 Entscheidungsmacht & Mitsprache

Hast du eigenes Geld zur freien Verfügung, ohne dich rechtfertigen zu müssen?

Warum das wichtig ist: Finanzielle Autonomie bedeutet, dass du eigene Entscheidungen treffen kannst, ohne dich rechtfertigen zu müssen. Das ist ein Grundrecht in einer Partnerschaft.
6 Entscheidungsmacht & Mitsprache

Wie werden eure gemeinsamen Finanzziele festgelegt (z.B. Sparziele, Altersvorsorge, größere Anschaffungen)?

Warum das wichtig ist: Finanzziele prägen eure gemeinsame Zukunft. Wenn nur eine Person sie setzt, werden die Bedürfnisse der anderen Person nicht berücksichtigt.
7 Langfristige Fairness

Habt ihr schon mal berechnet, wie sich eure Elternzeit-Entscheidungen langfristig auf eure Renten auswirken?

Warum das wichtig ist: Elternzeit-Entscheidungen haben massive langfristige Auswirkungen auf die Rente. Wer die Zahlen nicht kennt, kann keine faire Entscheidung treffen.
8 Langfristige Fairness

Gibt es einen Ausgleich für langfristige finanzielle Nachteile (z.B. Rentenpunkte-Verluste durch Elternzeit oder Teilzeit)?

Warum das wichtig ist: Wenn eine Person langfristig finanzielle Nachteile hat (z.B. durch Elternzeit), ist ein Ausgleich fair – sonst trägt eine Person allein die Last für eine gemeinsame Entscheidung.
9 Aktuelle Fairness & Vereinbarungen

Wird euer aktuelles Einkommen fair verteilt (basierend auf euren ursprünglichen Verhältnissen vor der Elternzeit)?

Warum das wichtig ist: Wenn sich die Einkommensverhältnisse durch Elternzeit ändern, sollte die Verteilung trotzdem fair bleiben – basierend auf den ursprünglichen Verhältnissen, nicht auf dem aktuellen Einkommen.
10 Aktuelle Fairness & Vereinbarungen

Habt ihr schriftliche Vereinbarungen zu euren Finanzen (z.B. Ehevertrag, Ausgleichszahlungen, Budget, Sparziele)?

Warum das wichtig ist: Schriftliche Vereinbarungen schaffen Klarheit und verhindern Missverständnisse. Sie sind besonders wichtig bei Ausgleichszahlungen oder langfristigen Vereinbarungen.

Häufige Fragen zum Fairness-Check

"Mein:e Partner:in würde das nie mitmachen – was soll ich tun?"

Das ist ein wichtiges Signal. Wenn dein:e Partner:in nicht über Finanzen reden will oder den Check ablehnt, kann das verschiedene Gründe haben:

  • Angst vor Konflikten
  • Scham oder Unsicherheit
  • Kontrollbedürfnis
  • Unwissenheit

Was du tun kannst: Erkläre, warum dir das wichtig ist (z.B. "Ich möchte sicherstellen, dass wir beide langfristig abgesichert sind"). Biete an, den Check gemeinsam zu machen statt separat. Starte mit einem kleinen Schritt (z.B. "Können wir mal über unsere Finanzen sprechen?"). Wenn es nicht funktioniert, hol dir Unterstützung (Beratung, Freund:innen, Hilfetelefon).

"Wir haben unterschiedliche Ergebnisse – ist das ein Problem?"

Nicht unbedingt. Unterschiedliche Einschätzungen sind normal – wichtig ist, dass ihr darüber redet: Warum siehst du es anders? Was fehlt dir, damit du dich fair behandelt fühlst? Was können wir ändern?

Wenn die Unterschiede sehr groß sind (z.B. eine Person sieht alles als fair, die andere als sehr unfair), ist das ein Warnsignal und sollte ernst genommen werden.

"Ist das nicht übertrieben? Wir vertrauen uns doch."

Vertrauen ist wichtig – aber es ersetzt nicht Transparenz und faire Vereinbarungen. Auch in vertrauensvollen Beziehungen können sich Ungleichheiten einschleichen, besonders wenn sich die Lebenssituation ändert (z.B. durch Kinder).

Faire Finanzen sind kein Zeichen von Misstrauen, sondern von Respekt und Verantwortung füreinander.

"Was, wenn wir uns trennen? Helfen diese Vereinbarungen dann?"

Ja, definitiv. Schriftliche Vereinbarungen (z.B. zu Ausgleichszahlungen oder Rentenpunkte-Ausgleich) können bei einer Trennung helfen, weil sie zeigen, was vereinbart war. Sie sind aber kein Ersatz für rechtliche Beratung – bei wichtigen Fragen solltest du eine:n Anwält:in konsultieren.

Fazit: Faire Finanzen sind möglich

Faire Finanzen in der Partnerschaft sind kein Luxus, sondern ein Grundrecht. Sie bedeuten nicht, dass alles 50:50 sein muss – sondern dass beide Partner:innen gleichberechtigt entscheiden können, Transparenz haben und langfristig fair behandelt werden.

Dieser Check ist ein erster Schritt. Die wichtigsten nächsten Schritte sind:

  • Redet miteinander – offen, ehrlich, ohne Schuldzuweisungen
  • Berechnet die Zahlen – nutzt die Rechner, um konkrete Fakten zu haben
  • Vereinbart Lösungen – schriftlich, klar, fair
  • Bleibt dran – faire Finanzen sind ein Prozess, kein einmaliges Projekt

Wenn du Unterstützung brauchst oder Fragen hast, findest du hier auf der Website weitere Artikel und Tools, die dir helfen können.

Viel Erfolg!

Faire Finanzen sind möglich – und dieser Check ist dein erster Schritt dorthin.

Bereit für faire Finanzplanung?

Probiert jetzt den Familienrechner aus und plant eure gemeinsame Zukunft fair und transparent.