Dr. Leonie Röcker war mit dem Familienrechner zu Gast im Webcast der Papammunity. Im Mittelpunkt standen faire Elternfinanzen: Wie können Paare finanzielle Nachteile sichtbar machen, die durch Elternzeit, Teilzeit und unbezahlte Care-Arbeit entstehen? Und wie lässt sich ein fairer Ausgleich innerhalb der Partnerschaft konkret berechnen?
Die Papammunity ist Community, Plattform und einer der führenden Elternblogs im deutschsprachigen Raum. Im Mittelpunkt steht das Leben mit Kind aus der Papa-Perspektive, zugleich richtet sich die Plattform ausdrücklich an Mamas und Papas. Neben persönlichen Erfahrungen aus dem Familienalltag geht es um aktive Vaterschaft, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Austausch unter Eltern sowie Expert:innenwissen rund um das Elternsein.
Warum faire Elternfinanzen wichtig sind
Elternschaft wirkt sich finanziell häufig ungleich aus. Besonders deutlich wird das in den Zahlen, die Leonie im Webcast vorgestellt hat:
- Frauen leisten rund 44 Prozent mehr unbezahlte Arbeit als Männer.[1]
- 67 Prozent aller Mütter mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren arbeiten in Teilzeit.[2]
- Im vierten Jahr nach der ersten Geburt verdienen Mütter im Schnitt fast 30.000 Euro weniger als gleichaltrige Frauen ohne Kinder.[3]
- Über das gesamte Leben betrachtet kann ein Kind Frauen etwa 40 Prozent ihres Lebenseinkommens kosten.[4]
- Auch in der Rente zeigt sich diese Ungleichheit: Frauen erhalten rund 27 Prozent weniger Rente als Männer; ohne Hinterbliebenenrenten liegt die Lücke sogar bei rund 39 Prozent.[5]
Diese Zahlen zeigen: Die Entscheidung, wer wie viel Erwerbsarbeit reduziert und wer wie viel Care-Arbeit übernimmt, ist nicht nur eine organisatorische Frage. Sie hat langfristige finanzielle Folgen.
Ein finanzieller Ausgleich kann diese strukturellen Nachteile nicht vollständig lösen. Er kann aber helfen, die Kosten einer gemeinsamen Familienentscheidung fairer zu verteilen, ökonomische Abhängigkeit zu reduzieren und Care-Arbeit stärker wertzuschätzen.
Was der Familienrechner leistet
Im Webcast stellte Leonie die zwei aktuell verfügbaren Rechner des Familienrechners vor: den Gehaltsausgleichrechner und den Rentenausgleichrechner.
Der Gehaltsausgleichrechner zeigt, wie sich Einkommen innerhalb einer Partnerschaft verschieben können, wenn ein Elternteil wegen eines Kindes weniger oder vorübergehend gar nicht arbeitet. Anhand eines Beispiels mit Anna und Ben wurde sichtbar, wie stark sich die finanzielle Verteilung nach der Geburt verändern kann.
Der Rentenausgleichrechner macht die langfristige Perspektive sichtbar: Wer weniger verdient, sammelt in der gesetzlichen Rentenversicherung in der Regel auch weniger Rentenpunkte. Der Rechner zeigt, welche Lücke dadurch entstehen kann und welcher finanzielle Ausgleich nötig wäre.
Frühzeitig ins Gespräch kommen
Der zentrale Gedanke des Webcasts: Paare sollten nicht erst dann über Geld sprechen, wenn Unzufriedenheit oder Abhängigkeit entstanden ist. Faire Elternfinanzen beginnen idealerweise schon vor oder spätestens mit der Familiengründung.
Der Familienrechner schreibt dabei kein bestimmtes Modell vor. Er bietet eine Grundlage, um über finanzielle Folgen von Elternzeit, Teilzeit und Care-Arbeit zu sprechen und gemeinsam zu überlegen, wie ein fairer Ausgleich aussehen könnte.
Quellen
- [1] Statistisches Bundesamt: Gender Care Gap 2022 — Frauen leisten 44,3 % mehr unbezahlte Arbeit als Männer – destatis.de (Gender Care Gap); Pressemeldung Februar 2024 – PDF / PM
- [2] Statistisches Bundesamt: Eltern — Teilzeit und Erwerbstätigkeit (u. a. Teilzeitquote Mütter/Väter) – destatis.de; dazu Pressehinweise zur Teilzeit von Eltern – PM Teilzeitquote 2023
- [3] ZEW: Einkommensverlust nach Geburt weit höher als bisher gedacht – Pressemitteilung; Publikationsseite – zew.de
- [4] Bertelsmann Stiftung: Gender Equality in the German Labor Market (u. a. Lebenserwerbseinkommen und Mütter ohne Kind im Vergleich) – Publikationsübersicht; Factsheet als PDF – PDF
- [5] Statistisches Bundesamt: Gender Pension Gap 2023 – Pressemitteilung April 2024