Wenn Kinder kommen, verschiebt sich oft mehr als nur der Alltag.
Mit der Geburt eines Kindes verändert sich vieles: Schlaf, Routinen, Verantwortlichkeiten — und oft auch die finanzielle Balance innerhalb einer Partnerschaft. Gerade Frauen reduzieren nach der Geburt häufiger ihre Arbeitszeit, verdienen weniger, sammeln weniger Rentenpunkte und übernehmen zusätzlich mehr unbezahlte Care-Arbeit.
Genau darüber spricht Franziska Goldbach in dieser Folge von „Frauen, Immobilien und Finanzen“ mit Dr. Leonie Röcker, der Gründerin des Familienrechners. Das kostenlose Tool macht sichtbar, welche finanziellen Unterschiede in Familien entstehen können — und wie Eltern diese fairer ausgleichen können.
Warum finanzielle Fairness in Familien nicht nebenbei entsteht
Viele Paare wissen zwar, dass mit Kindern weniger Einkommen zur Verfügung steht. Was aber häufig unterschätzt wird: Die finanziellen Folgen verteilen sich nicht automatisch gerecht.
Leonie beschreibt im Gespräch, dass oft eine Person beruflich zurücksteckt — in der Praxis meist die Mutter. Dadurch sinkt nicht nur das aktuelle Einkommen. Auch die langfristige Altersvorsorge leidet, weil weniger Rentenpunkte gesammelt werden und weniger Geld für den eigenen Vermögensaufbau übrig bleibt.
Franziska kennt diese Erfahrung aus eigener Perspektive. Nach der Geburt ihres ersten Kindes wechselte sie aus einer gut bezahlten Führungsposition in den Elterngeldbezug — und merkte plötzlich sehr konkret, wie stark sich die eigene finanzielle Situation verändert.
Der blinde Fleck: Rente, Teilzeit und Care-Arbeit
Ein zentrales Thema der Folge ist die Frage, warum finanzielle Nachteile oft erst viel später sichtbar werden. Elternzeit, Teilzeit und unbezahlte Care-Arbeit wirken sich nicht nur kurzfristig aus. Sie beeinflussen über Jahre hinweg Einkommen, Sparfähigkeit, Vermögensaufbau und Rentenansprüche.
Besonders problematisch wird es, wenn Paare nicht verheiratet sind. Denn dann greifen bestimmte gesetzliche Ausgleichsmechanismen, etwa beim Versorgungsausgleich im Fall einer Scheidung, nicht automatisch. Leonie macht deutlich: Wer nicht verheiratet ist und beruflich zurücksteckt, sollte besonders genau hinschauen und private Lösungen finden.
Was der Familienrechner sichtbar macht
Der Familienrechner setzt genau an diesem Punkt an. Er soll Paaren helfen, finanzielle Unterschiede nicht nur gefühlt, sondern konkret in Zahlen zu erkennen.
Aktuell gibt es zwei zentrale Rechner:
- Der Gehaltsausgleichrechner zeigt, wie sich das Haushaltseinkommen vor und nach der Geburt eines Kindes verteilt — und welcher Ausgleich nötig wäre, um eine faire Verteilung herzustellen.
- Der Rentenausgleichrechner geht noch einen Schritt weiter. Er berechnet, wie sich reduzierte Erwerbsarbeit auf Rentenpunkte auswirkt und welcher finanzielle Wert hinter dieser Lücke steht.
Leonie betont dabei: Der Rechner gibt keinen starren Weg vor. Er macht vielmehr sichtbar, über welche Beträge und Ausgleichsmöglichkeiten Paare sprechen sollten.
Es geht nicht um Schuld, sondern um Klarheit
Ein wichtiger Gedanke der Folge: Finanzielle Fairness ist kein Angriff auf die Partnerschaft. Im Gegenteil. Wer offen über Geld, Care-Arbeit und Altersvorsorge spricht, schafft mehr Sicherheit und Augenhöhe.
Franziska bringt es sehr praktisch auf den Punkt: Es reicht nicht, wenn ein Partner „mal den Urlaub zahlt“ oder größere Anschaffungen übernimmt. Wenn eine Person dauerhaft weniger verdient, weniger sparen kann und weniger Rentenpunkte sammelt, braucht es einen echten Ausgleich.
Dieser Ausgleich kann unterschiedlich aussehen: ein monatlicher Sparplan, ein Investment, eine Immobilie, ein Ausgleichsbetrag oder eine andere individuelle Lösung. Entscheidend ist, dass Paare darüber sprechen — möglichst bevor die finanzielle Schieflage entsteht.
Kleine Beträge können langfristig viel bewirken
Besonders spannend ist der Gedanke, dass ein Ausgleich nicht immer riesige monatliche Summen bedeuten muss. Leonie weist darauf hin, dass die Beträge im Rentenausgleich zunächst hoch wirken können, weil sie auf dem gesetzlichen Rentensystem basieren. Werden Ausgleichsbeträge jedoch investiert, etwa in renditestarke Anlageformen oder Immobilien, kann schon ein kleinerer monatlicher Betrag langfristig viel bewirken.
Franziska knüpft daran mit ihrem Kernthema an: Vermögensaufbau ist gerade für Frauen ein entscheidender Hebel, um langfristig finanziell selbstbestimmt zu bleiben.
Was Paare aus dieser Folge mitnehmen können
Die wichtigste Botschaft dieser Folge ist: Finanzielle Fairness passiert nicht automatisch. Sie muss besprochen, berechnet und bewusst gestaltet werden.
Gerade wenn Kinder kommen, sollten Paare nicht nur über Elternzeit, Arbeitsstunden und Betreuung sprechen, sondern auch über Einkommen, Rentenpunkte und Vermögensaufbau. Denn wer heute beruflich zurücksteckt, trägt oft nicht nur die emotionale und organisatorische Hauptlast, sondern auch ein langfristiges finanzielles Risiko.
Der Familienrechner kann ein guter erster Schritt sein, um dieses Risiko sichtbar zu machen — und daraus konkrete Lösungen für die eigene Partnerschaft abzuleiten.